mit einem Text von Dr. Margit im Schlaa(ganz unten)

Hubert BurdaKl

„Hubert Burda“, Verleger, München, Bleistift, Diktiergerät, Malpinsel, Griechischer Duft-Facon, Farbpalette, Renaissance-Schale, „Wer keinen Rahmen findet für die Bilder, wird immer von Bilderflut sprechen“, Zitat von Dr. Hubert Burda, Äste, Beton, Kies, 90 x 105 x 60 cm, 2011, Sammlung Hubert Burda

Schwester MariaKl
„Schwester Martina Merkel“, Oberschwester „Unserer Lieben Frau“, Lehrerin, Aktivistin, Klosterschule Offenburg, Handarbeitsschere, Marieninitialien als Wäschezeichen, Augustinusherz, Zugschienen mit Demoschild, Messingschale, „Die Frau ist die Welt von morgen“, Zitat von Pierre Founier(Ordensgründer), Äste, Beton, Kies, 80 x 35 x 20 cm, 2011, Privatsammlung
stella RolligKl
„Stella Rollig“, Museumsdirektorin,Lentos Kunstmuseum Linz,Österreich,Goldener Knochen, Apfel, Foto, Schlüssel, Äste, Beton, Kies, 85 x 61 x 68 cm, 2010, Sammlung Bazon Brock
Gerhard RischartKl
„Gerhard Müller-Rischart“, Richarts Backhaus, München, Baguette, Terminkalender mit den Sätzen „Ist das wahr?, Ist es fair für alle Beteiligten?, Wird es Freundschaft und guten Willen fördern? Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen?, Untertasse, Rührschüssel, Äste, Beton, Kies, 70 x 65 x 90 cm, 2012, Sammlung Gerhard Müller-Rischart
lehrerinOffenbKl
„Cornelia Woll“, Lehrerin, Kunstvereinsleiterin, Offenburg, Bleistift, Cäsar-Figur, Handquirl, Schuh, Äste, Beton, Kies, 72 x 25 x 27 cm, 2011, Privatsammlung
Bayer-Media PortKl
„Karl-Heinz Bayer“, Bayer Media, München, Bleistift, Studien-Zeichnung, Filstanzleiste, Foto, Fotoentwicklungsschale, Äste, Beton, Kies, 118 x 122 x 80 cm, 2012; Privatsammlung

Stephanie Senge aus Ihrem „Making-Of“(Text-Auszug): In Japan wird ein traditioneller Ikebana-Meister nach Hause eingeladen, bekommt Blumen von dem Hausherrn bzw. der Hausfrau und macht daraus ein Ikebana für die traditionelle Tokonoma-Nische des Hauses, die meist im Eingangsbereich liegt oder in einem extra Teezimmer, so dass sich die Besucher des Hauses an dem Ikebana erfreuen können. So besuche auch ich Menschen bei sich zu Hause oder an ihren Arbeitsorten und lasse mir eine Hausführung geben. Genauso, wie ich Dinge liebe, liebe ich auch Menschen. Und über die Dinge kann ich Menschen noch mal ganz anders kennenlernen. Häufig entsteht ein Dialog über bestimmte Geschenke von nahen Verwandten, Gegenstände von schönen Reisen oder den Alltag bestimmende Sachen. Bei einigen, mich ansprechenden Dingen frage ich nach, woher sie stammen. All diese emotional besetzten Dinge bringe ich in mein Atelier und erarbeite daraus ein Ding-Porträt dieser Person. Diese ausgewählten Gegenstände stehen für die zu porträtierende Person und sind eng mit meinem Erlebnis mit dieser Person verbunden. Wie die Person gewisse Dinge erwähnt oder behandelt, trägt zu meinen Entscheidungen beim Bauen bei. Für die Herstellung jedes Ding-Porträts gehe ich in einen Wald, um geeignete Äste zu finden. Zuerst verwende ich Ton, bis ich die genaue Position der Äste zueinander bestimmt habe. Beim Ikebana ist es immer wichtig, dass alles nach oben strebt, und so verbinde ich die Dinge behutsam mit den Ästen, so als würden sie aus ihnen herauswachsen – ein wenig wie im Schlaraffenland. Zum Schluss befestige ich alles mit Beton und wähle einen bestimmten Kies aus, um die Oberfläche zu bedecken. Der Farbton des Kieses soll die Farben der Dinge gut reflektieren. Für eine Ausstellung im Kunstverein Offenburg im Jahr 2011 zeigte ich eine andere Art von Porträt, nämlich das der gesamten Stadt, repräsentiert durch dreizehn in ihr lebende Persönlichkeiten. Von ihnen fertigte ich jeweils ein „Ding-Porträt“ an.

Text von Dr. Margit im Schlaa:

Bei den Ding-Porträts folgte Senge einer japanischen Tradition, nach der ein Ikebana-Meister in ein Privathaus eingeladen wird und dort ein Ikebana-Gesteck aus Blumen macht, die er von dem Hausherrn bekommt. Das Ikebana wird in die traditionelle Tokonoma-Nische des Hauses gestellt, die meist im Eingangsbereich liegt, wo sich die Besucher des Hauses an ihm erfreuen können. Ganz in diesem Sinne hat Senge Prominente bei sich zu Hause besucht und nach einem Gespräch persönliche Gegenstände von ihnen bekommen, die sowohl für die Persönlichkeiten stehen als auch für die Erfahrung der Künstlerin mit ihnen. Aus diesen emotional besetzten Dingen fertigte Senge die beiden Ding-Porträts, wobei die Art und Weise, wie die Prominenten über die ausgewählten Dinge sprachen, maßgeblich zu ihren Entscheidungen bei der Gestaltung beitrugen.