Kunst im öffentlichen Raum, Projekt und Fotoserie zusammen mit Geschäftsleuten aus Pregarten in Ihren Schaufenstern, Österreich, 2010

 

 

Stephanie Senge aus Ihrem „Making-Of“(Text-Auszug):

2010 wurde ich in die Stadt Pregarten eingeladen. Ich machte eine Ikebana-Performance für die Kaufleute in Pregarten und zeigte, wie man nach den Regeln der japanischen Blumensteckkunst alltägliche Dinge so präsentieren kann, dass sie in ihrer jeweiligen Bedeutung zur Geltung kommen. Nach längeren Diskussionen waren die Geschäftsleute überzeugt und machten mit.

In Pregarten entstand mit Hilfe des Ikebana ein neues Projekt, das man am ehesten – in Anlehnung an Beuys – als eine Soziale Plastik bezeichnen kann. Ich besuchte 17 Pregartener Geschäftsleute (Banker, Steuerberater, Bäcker, Buchhändler, Trafikant, Juwelier, Apotheker, Blumenhändler etc.). In gemeinsamen Gesprächen erkundete ich, was den Geschäftsleuten jeweils wichtig ist, was ihr Geschäft ausmacht und welche Gegenstände das repräsentieren könnten. Ich verbrachte viel Zeit mit ihnen und lief zwischen den Geschäften hin und her. Man lernte sich wirklich kennen, und ich erfuhr zum ersten Mal, was es bedeutet, ein inhabergeführter Einzelhändler zu sein. Verantwortung, Menschlichkeit, unglaubliches Eigenengagement und Ideen waren mir vertraut, nur mit dem Geschäftssinn als Antriebskraft kamen wir nicht zusammen! Ich erfuhr aber auch hautnah, wie arbeitsaufwendig und bedroht dieser Berufszweig ist.

Alle 17 Geschäftsleute kamen in der Bruckmühle zusammen (was es vorher noch nie gegeben hatte, so der Bürgermeister) und bauten dort mit meiner Unterstützung jeweils ein eigenes Ikebana-Objekt aus den vorher gemeinsam ausgewählten Dingen. Die fertigen Objekte wurden in den jeweiligen Geschäften ausgestellt, deren Schaufenster vorher verhüllt waren. Zur Eröffnung gingen alle von Laden zu Laden und enthüllten ihre Objekte mit einem Tusch. Die Geschäftsleute und ich stellten das Objekt dann jeweils vor. Alle teilnehmenden Geschäftsleute bekamen von mir Zertifikate, die jeder Konsument beim Einkaufen bei ihnen erhielt, um das Bewusstsein für die Bedingungen einer funktionierenden, hoch entwickelten Konsumkultur zu stärken.

Mir ging es in diesem Projekt vor allem auch um die Wertschätzung der Einzelhändler, die mit voller Verantwortung in ihren Läden stehen und ihre Produkte und Kunden persönlich kennen. Die von den Geschäftsleuten gebauten Ikebana-Objekte zeigen die Fähigkeit, sensibel Qualität und Herkunft der Waren zu prüfen, die sie ihren Kunden anbieten. Dafür bedarf es eines umfassenden Wissens, klarer Entscheidungen und einer hohen sozialen Kompetenz.

In vielen Städten ist der Leerstand im Zentrum ein großes Problem. Wenn die Politik und die Bürger große Malls und Einkaufszentren zulassen, ist das für die meisten familiären inhabergeführten Geschäfte eine Bedrohung; viele müssen schließen. Ich bin schon öfter eingeladen worden an Orte mit Leerstand, aber die Innenstädte wieder zu beleben, ist meist unmöglich. Die inhabergeführten Läden heben unsere Lebensqualität und spielen eine bedeutende Rolle in unserem sozialen Gefüge.

Mit diesem Projekt wollte ich auf dieses Thema aufmerksam machen. Wir haben die Wahl, wen wir mit unserem täglichen Einkauf unterstützen. Der Gemeinschaftssinn und die Geschäftskultur der Geschäftsleute in Pregarten, die durch mein Projekt aufgezeigt und gestärkt wurden, sorgten dafür, dass dieses urbane Paradies bisher erhalten werden konnte!

Fotoserie „Soziale – Ikebana – Plastik – Pregarten“, 60 x 40 cm / 18-teilig, 2010

 

Am Ikebana-Workshop beteiligte Inhabergeführte Einzelhändler:

Glas Kircher     Nähmaschinen Lampl     Tabak-Trafik Peter Jogna     Floristik

Hennerbichler     BP-Tankstelle Singer     Juwelier Kartusch     Sparkasse Pregarten

Bäckerei Tauber     Apotheke St. Anna     Lederwaren Stöbich     Konditorei Mader

Egger Moden     JH Steuerbüro     Handarbeitstreff Ehrenmüller-Spitzenberger

Meisl Kaufzentrum     Bücherstube Fessl     Raiffeisenbank    Bausparkasse Pregarten